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Infos aus Hochstadt

Hochstadt a. Main - Klosterdorf und Eisenbahnknoten


Die mehrbogige Steinbrücke im Gemeindewappen von Hochstadt am Main verweist auf die große Bedeutung, die steinerne Mainbrücke nahe Hochstadt für die Entwicklung des Orts besaß.

Hochstadt kam zwischen 1182 und 1188 aus der Hand zweier edelfreier Familien, der Herren von Niesten und der Herren von Reifenberg, schrittweise an das Kloster Langheim.
 
Der Abtei wurde 1279 aufgetragen, die Brücke zu unterhalten, wofür der Bamberger Bischof das Fischrecht im Main beidseits der Brücke dem Kloster übertrug – zwei Steinwürfe weit flussauf - und einen Steinwurf flussabwärts. Um die Fischereibefugnis besser ausüben zu können, baute das Kloster den Hof „in der Gruben“; er stand da, wo das klösterliche Fischrecht endete.

Welch herausragenden Rang die Hochstadter Mainbrücke hatte, wird daran deutlich, dass sie – spätestens seit der Wiederherstellung nach dem Dreißigjährigen Krieg, wohl aber schon früher – aus Stein gebaut war, während alle bedeutenderen Brücken im heutigen Landkreis bis weit ins 19. Jahrhundert Holzkonstruktionen waren.

1783 und erneut 1880 repariert, wurde die Brücke kurz vor Kriegsende 1945 gesprengt und 1951 endgültig durch einen Neubau ersetzt. Den Main an dieser Stelle, vor dem Zusammenfluss mit der Rodach, zu überqueren, lag nahe, so dass hier schon lange vor der Erstnennung einer Brücke sich ein Flussübergang befunden haben dürfte; in Hochstadt konzentrierten sich daher auch Straßen.
Um sie zu kontrollieren, stand in der Mitte des Ortes ein „Hofe, im Wassergraben gelegen“, vielleicht der Rest einer hochmittelalterlichen Talburg. 

In den 1470er oder 80er Jahren machte sich das Kloster Langheim daran, diese Anlage zu einem „vhesten Schloß“ auszubauen. Doch der Bamberger Bischof sah darin eine Bedrohung seiner Herrschaft und forderte, die Burg entweder ganz an ihn abzutreten oder sie durch einen bischöflichen Amtmann verwalten zu lassen. In Langheim aber fürchtete man, auf diese Weise werde ganz Hochstadt langfristig dem Kloster entfremdet. So entschieden sich Abt und Konvent, die Befestigung lieber niederzureißen; bevor Bamberg einschreiten konnte, hatte das Kloster durch 200 herbeigerufene Untertanen schon vollendete Tatsachen geschaffen. 
Die eindrucksvollen Reste der Anlage – mächtige Mauern mit runden Ecktürmen – entdeckten Archäologen erst Ende der 1980er Jahre bei der Erweiterung der Hochstadter Schule.

Namentlich führte durch Hochstadt eine wichtige Fernstraße von Bamberg nach Kronach und weiter nach Lobenstein. Sie brachte Kundschaft für das Wirtshaus, das seit dem 15. Jahrhundert in Hochstadt nachgewiesen wurde und das, von Langheim und später von Trieb aus mit Bier versorgt, den brauenden Bürgern von Lichtenfels ein Dorn im Auge war. Nachdem ein Schiedsspruch von 1520 die Aktivitäten des umtriebigen Wirts nur wenig beschränkte, steckten während des Bauernkriegs von 1525 die Lichtenfelser die „Schenkstatt“ in Brand.
Der anschließend entstandene Neubau wurde 1605 durch ein prächtiges Steinhaus ersetzt. Es beherbergte fünf Gastzimmer für vornehme Reisende – die meisten schliefen wohl in der Wirtsstube oder im Stall – und eine „Stallung auf 50 Pferde“, wie es im 19. Jahrhundert heißt.

Solange das Kloster bestand, wurde die Wirtschaft nur auf jeweils drei Jahre verpachtet. Nach der Säkularisation gelang erst 1816 der Verkauf des Wirtshauses mit großem zugehörigen Grundbesitz aus Staatshand an einen Privatmann.

Das Wirtshaus zur Sonne, wie es nach der Sonnenuhr an der Fassade hieß, ging 1900 an den Distrikt Lichtenfels über, der hier ein Krankenhaus mit anfangs 38 Betten einrichtete. Mehrfach erweitert und umgebaut, diente das Anwesen bis 1973 als Kreiskrankenhaus. Seit 1976 beherbergt es eine Klinik des Bezirks Oberfranken für Drogenabhängige.

Krankenhaus und Kirche um 1926

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite baute das Kloster Langheim spätestens im 15. Jahrhundert ein Marienkirchlein, das zur Pfarrei Isling gehörte. 1805 sollte es als überflüssig abgebrochen werden, blieb aber auf Bitte der Ortseinwohner stehen. Nachdem das Gotteshaus 1922 erheblich erweitert worden war – der Bamberger Architekt Chrysostomus Martin hatte ein mächtiges Langhaus und einen Turm angebaut –, erhielt Hochstadt 1928 einen Kuratus, 1938 einen eigenen Pfarrer.

Kirchenerweiterung und Pfarrgründung waren Folgen eines rasanten Bevölkerungswachstums. Noch 1818 hatte Hochstadt zusammen mit den Einöden Geutersberg und Gruben nur 130 Einwohner gezählt. 1855 lebten im Dorf 286 Menschen, 1890 schon 499. Dann sank die Einwohnerzahl zwar spürbar, um aber nach dem Ersten Weltkrieg die Marke von 500 zu überschreiten.

Ursache für das Wachsen des Dorfs und auch für die Schwankungen war der Bahnanschluss. Hochstadt war eine Station der Ludwig-Süd-Nord-Bahn von Lindau nach Hof; der Bahnhof wurde 1848/49, bald nach Eröffnung der Linie Lichtenfels–Kulmbach, errichtet. Seit dem Bau der Stichbahn nach Gundelsdorf im Jahr 1861 war Hochstadt sogar Eisenbahnknoten. Nachdem diese Bahn bis zur Landesgrenze bei Ludwigsstadt verlängert und zur Magistrale erweitert worden war, gabelten sich hier zwei Fernbahnen.

Welchen Rang die Bahnstation „Hochstadt-Marktzeuln“ hatte – so der Name seit 1887 –, ist am eindrucksvollen Bahngebäude abzulesen. 
Der rege Schienenverkehr führte dazu, dass man um 1890 eine Straßenüberführung und 1907/08 eine Bahnsteigunterführung baute; Vergleichbares ließ in Lichtenfels bis in die 1930er Jahre auf sich warten.

Bahnhofsgebäude um 1926

Die gute Bahnanbindung war gewiss auch verantwortlich für die Ansiedlung der Porzellanfabrik Beck & Tully im Jahr 1901. Sie war, wie es 1910 heißt, spezialisiert auf „Figuren, Tiere, Vasen, Blumentöpfe, Nippes, Massenartikel etc.“, die sie nach Amerika und England ausführte. 80 Personen waren hier beschäftigt. Der 1920 begonnene ehrgeizige Ausbau, von dem noch die damals errichtete Fabrikantenvilla zeugt, endete nach mehreren Krisen im Jahr 1927. Der Betrieb, der zeitweilig über 200 Menschen Arbeit gegeben hatte, ging an die Porzellanfabrik Cortendorf über, die ihn als Fayencefabrik weiterbetrieb.
Über die Porzellanfabrik Tettau AG gelangte er während des Zweiten Weltkriegs an die Siemens-Schuckert-Werke, die die Produktionsgebäude bis in die 1950er Jahre nutzten.
Nach langem Leerstand nutzt ein Redwitzer Unternehmen die Porzellanfabrik heute als Ausstellungsfläche für ihre Möbel.

Porzellanfrabrik um 1926

Nahe der Mainbrücke steht, der Fabrik gegenüber, die Mühle, in der einst das Getreide der benachbarten langheimischen Dörfer, vor allem der klösterlichen Ökonomie in Trieb, gemahlen wurde. Seit 1809 in Privateigentum, ging die Mühle 1891 an die Trieber Gutsbesitzerfamilie Benecke über. Sie modernisierte nicht nur die Anlage durch den Einbau zweier Turbinen, sondern richtete hier 1901 ein Elektrizitätswerk ein, das nicht nur Hochstadt, sondern als ein frühes Überlandwerk auch umliegende Orte mit Strom versorgte. Während die Mahlmühle 1959 stillgelegt wurde, dient die Wasserkraft bis heute zur Elektrizitätsgewinnung. 

Konstante der Geschichte von Hochstadt ist als Folge des Flussübergangs der Verkehr. 
Einst die Lebensader des Ortes, stellt die durch den Ort führende Fernstraße heute primär eine Belastung dar. Der Bau einer Umgehungsstraße, längst gefordert, rückt erst dieser Tage in greifbare Nähe.


 

 

 


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kneipp@hochstadt-main.de


Gemeinde Hochstadt a. Main

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96272 Hochstadt a. Main